Quartierskünstlerin Susanne Reifenrath steht vor einem roten Backsteingebäude und lehnt mit einer Hand an einem großen, hellen Holzkoffer. | © Melina Mörsdorf
5. Februar 2026
Aktuelles

Wenn Dulsberg zur Bühne wird

Susanne Reifenrath ist die neue Quartierskünstlerin in Dulsberg und wird bis Ende 2027 das Atelier der SAGA GWG Stiftung Nachbarschaft mit ihrer Kunst beleben.

Ein dunkler Holztisch, eine Lampe und ein paar persönliche Gegenstände. Noch wirkt das Atelier an der Straßburger Straße ruhig, fast leer. Aber genau das soll sich in den kommenden zwei Jahren ändern. Mit Susanne Reifenrath ist die neue Quartierskünstlerin auf dem Dulsberg angekommen: neugierig, offen und mit großer Lust auf direkte Begegnungen.

Susanne Reifenrath ist Theatermacherin, studierte Schauspielerin und Regisseurin. Seit vielen Jahren arbeitet sie in Hamburg, vor allem in der freien Theaterszene. In ihrer Arbeit entwickelt sie eigene Formate, arbeitet partizipativ und nah an den Menschen, statt bestehende Stücke auf die Bühne zu bringen. „Kunst entsteht, wenn Menschen gemeinsam an etwas arbeiten“, sagt sie. Kein Wunder also, dass sie mit dem Stipendium ihre Arbeit mitten ins Quartier und in das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner verlegt.

Gegenstände, die Geschichten erzählen

Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Stadtteils möchte die Künstlerin Gegenstände von Menschen aus Dulsberg sammeln. Dinge, die sie persönlich mit dem Stadtteil verbinden. Dinge, die eine Geschichte erzählen. Dafür wird Susanne Reifenrath mit einem Rollkoffer durch den Stadtteil unterwegs sein – ein mobiles Sammelgefäß für Erinnerungen. Sie möchte Objekte sammeln, die sonst in Schubladen verschwinden oder auf Regalen verstauben. „Das ist vielleicht auch mein Eintritt ins Quartier“, sagt sie. „Ich bin auf der Straße unterwegs, spreche Menschen an und komme ins Gespräch.“

Holzkoffer mit Metallverschlüssen steht auf gepflastertem Platz vor einem roten Backsteingebäude mit mehreren Fenstern und einem großen Torbogen. | © Melina Mörsdorf
Quartierskünstlerin Susanne Reifenrath sitzt an einem Holztisch mit verschiedenen kleinen Gegenständen und einer schwarzen Schreibtischlampe vor weißer Wand. | © Melina Mörsdorf

Wie inhaltlich aufgeladen solche Objekte sein können, zeigt sie an ihren eigenen Gegenständen. Auf dem Tisch liegen die ersten Schuhe ihrer Tochter, die heute 20 Jahre alt ist oder ein alter Gesichtsabdruck aus ihrer Schauspielausbildung. „In all diesen Dingen ist etwas gespeichert – Herkunft, Zeit, Erinnerungen“, sagt sie.

Ende Mai sollen die gesammelten Stücke im Atelier zusammenkommen und als „Dulsberger Wunderkammer“ präsentiert werden. Doch es bleibt nicht bei einer bloßen Ausstellung. „Ich bin ja keine bildende Künstlerin, sondern Theaterkünstlerin“, sagt Susanne Reifenrath. Deshalb will sie ausgewählte Gegenstände szenisch, erzählerisch oder klanglich zum Leben erwecken – allein oder gemeinsam mit Menschen aus dem Quartier. So werden aus persönlichen Erinnerungen geteilte Geschichten.

Ein Atelier, das Theater öffnet

Neben der Wunderkammer öffnet die Theatermacherin ab Mitte März 2026 einmal pro Woche das Atelier. An mehreren Terminen können Interessierte in Workshops ganz niedrigschwellig Theatermittel ausprobieren: kleine Spiele, Wahrnehmungsübungen, Improvisation. Vorkenntnisse braucht es nicht. „Ein bisschen Neugier und ein bisschen Mut, das ist alles“, sagt Susanne Reiferath.

Das Angebot ist eine Einladung ans Quartier: Offen und ohne Druck. Wer möchte, kann schnuppern, ausprobieren oder einfach vorbeikommen. Im Mittelpunkt steht der Austausch, das gemeinsame Kreieren und Arbeiten auf Augenhöhe. Mit ihrer parzipativen Arbeitsweise bewegt sich die Künstlerin bewusst von der klassischen Theaterbühne weg. Theater ist kein fertiges Stück, das einem Publikum gezeigt wird, sondern ein gemeinsamer Prozess. Ein Raum, in dem Begegnung entstehen kann und jeder selbst entscheidet, wie viel Nähe oder Beteiligung sich richtig anfühlt.

Offen für das, was kommt

Was in den kommenden zwei Jahren konkret entstehen wird, lässt Susanne Reifenrath bewusst offen. Sie möchte nicht mit einem fertigen Plan ins Quartier kommen, sondern sich auf Begegnungen einlassen und darauf reagieren, was sich entwickelt. „Ich freue mich darauf, überrascht zu werden“, sagt sie. Von Gesprächen, von Menschen, von Ideen, die sich erst im gemeinsamen Tun zeigen.

Nicht jede Einladung werde angenommen werden, das weiß sie. Und nicht alle müssten mitmachen. Doch wenn Menschen sich begegnen, ins Gespräch kommen oder gemeinsam eine Erinnerung teilen, sei bereits viel gewonnen. „Wenn am Ende ein paar neue Verbindungen entstehen oder etwas bleibt, das über den Moment hinauswirkt, dann ist das für mich ein großer Erfolg.“

Alle Informationen zu Terminen, offenen Workshops oder Kontakt finden Interessierte über den Instagram Kanal @quartierskunst_dulsberg.

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Text: Betül Pehlivan  / Fotos: Melina Mörsdorf

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